Über M-Trike

M-Trike stellt eine Überschreibung der vorhergehenden Arbeit V-Trike dar: Während dort das Konzept der visuellen Projektion und der Dialog zwischen dieser und einem realen Bewegungskörper vorherrschte, stellt M-Trike die Klangprojektion auf ein Musikinstrument in den Vordergrund: hier wird Bewegung bzw. werden Bewegungsgranulate der Performerin mittels einer direkten Transformation auf die Bewegungsmechanik eines Automatenklaviers übertragen: eine Erinnerung an das Klavier im Ballettsaal, auch an das Player-Piano der Tanzsäle des frühen 20. Jahrhunderts, aber in der inversen Kontrollsituation: in der vorkritischen Phase der Tanzmusik sind die musikalische Bewegung und Gestik der Impulsgeber für die Körperbewegungen, hier jedoch generiert die Performerin die Musik aus ihren eigenen Schrittbewegungen.

Die Idee des Instruments wird in M-Trike auf die Trias Klangplatte, Klavier und Loop-Generator erweitert. Die archaische Tanzbewegung des Senken des Fußes (Thesis) steht dabei in Analogie zum „Schlagen des Claviers“ (cf. C.Ph.Emanuel Bach), zum Anschlagen einer Taste. (Die Klangplatte selbst stellt so eine einzelne Makro-Taste dar.)

Loops bleiben vorherrschendes Strukturelement und Mittel der phänomenologischen Ausleuchtung der Einzelereignisse und ihrer kausalen Verbindung.

In ironischer Referenz zu der in der TRIKE-Serie thematisierten Dreizahl geistert ein Strauss-Walzer („Künstlerleben“) durch das Stück, gegen Ende immer deutlicher erahnbar.

Im Gegensatz zur chorischen Anlage von Maschinenhalle#1 (Eröffnung steirischer herbst 2010 Listhalle und Tanzquartier Wien Semper Depot 2011) liegt hier ein virtuoses Solo vor, bzw. eine Doppelconference zwischen der Performerin und der in Echtzeit entscheidenden und gestaltenden Choreografin.

Das Stück ist Veronika Zott gewidmet (A Roomfull of Shoes, V-Trike).

Bernhard Lang

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