Sent: Sunday, March 07, 2010 9:24 PM
To: gaigg christine
Subject: Re:
sex, well,
it’s like dancing, it takes practice. and then finding someone you can feel free with and vice versa...
it’s complex and shouldnt be...i am having hardly any at the moment lately, but i feel i would like to be able to express myself freely again without all the fucking dogma and what is not allowed and is allowed bullshit.
just me.
Hug
r
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29.1.2009
In einem Nachruf auf den Autor John Updike lese ich, dass er Sexualität als etwas Religiöses gesehen hat, als die einzige Möglichkeit für den modernen Menschen, zumindest eine Ahnung von Transzendenz zu erfahren. So sehe ich das auch.
23.12.2009
Eben habe ich im Drogeriemarkt ein Pärchen beobachtet, wie es sich über die Wahl der Weichspülermarke unterhält. Danach fahre ich hinter einem Lastwagen her, auf dem steht: „Ich bring was Geiles vom Saturn.“ Dahin will ich nicht! Ich will keine Libido Übertragung auf Konsumgüter, sondern ein geiles Liebesleben.
31.12.2009
Ein Essay in der NY Times beschäftigt sich mit dem Generationenunterschied amerikanischer männlicher Schriftsteller und ihrer Einstellung zum Sexuellen. Am einen Ende der Skala stehen John Updike und Philipp Roth mit Abenteuer, Erkenntnis, Sinnsuche, für eine quasi-religiöse Sicht von Sexualität, die alles beinhaltet, das Pornografische, das Schöne, das Fürchterliche, das Komödiantische wie das Enttäuschende. Am anderen Ende die neuen jungen Autoren, die ihre männlichen Charaktere eher kindlich unschuldig statt männlich viril zeichnen, als passive Männer mit hochkomplexem Innenleben. Wenn denen fahrlässigerweise ein sexueller Impuls passiert, würden sie ihn eher wegtherapieren als ihm nachzugehen. Anders ausgedrückt: diese Helden sind zu cool zum Ficken.
19.5.2014
Wellesley Students Complain That a Statue of a Man in His Underwear is “Sexual Assault”
Künstler Tony Matelli sorgte mit seiner realistischen Skulptur eines Schlafwandlers in Unterhose für Aufregung
Mann in Unterhose schockiert Studentinnen
„Könnte Sex und Gewalt enthalten“
Was ist Studenten zumutbar? Dieser Frage müssen sich derzeit viele US-Colleges stellen. Denn Studenten fordern - ähnlich wie in Onlinemedien - Warnhinweise, wenn bei Lehrveranstaltungen Themen angesprochen werden, die traumatische Erlebnisse auslösen können. Die Liste reicht von sexueller Gewalt bis Essstörungen. Und auch Literaturklassiker sind davon nicht ausgenommen.
Mitte der 70er Jahre Unterwegs mit einem Amerikaner
Wir waren beide noch Jungfrauen, und das würde voraussichtlich auch so bleiben, denn er war fundamentalistischer Christ (ist später wahnsinnig geworden). In Luxemburg gehen wir ins Kino und sehen den „Letzten Tango“ von Bertolucci. Ich hatte keine Ahnung von irgendwas, aber das Animalische packt mich sofort. Nach dem Film zerstritten wir uns nicht wegen Analverkehr oder ob wir beide vorehelichen Geschlechtsverkehr haben würden, sondern wegen der Frage, an welcher Kurve man am besten den Daumen fürs Autostoppen raus hält.
Ende der 70er Jahre
Beim Autostoppen habe ich gelernt und geübt, „nein“ zu sagen. Die deutsche Autobahn war nicht nur für die fehlende Geschwindigkeitsbeschränkung berüchtigt, sondern auch für einsame Autofahrer. Ich kann mich an keine Situation erinnern, in der mein „nein“ nicht anstandslos akzeptiert worden wäre….
6.12.2010 Julian Assange wird wegen Vergewaltigung verhaftet
Das ist natürlich eine Farce. Es geht ja auch in Wirklichkeit um was anderes. Interessant daran ist, dass sich die Gesellschaft ihrer schwächsten Glieder, junger Frauen, bedient, um Rache an jemand zu nehmen, der die Politik an einer empfindlichen Stelle getroffen hat. Ob Wikileaks nun edler guter Anarchismus ist oder nicht - jedenfalls hat Assange bewirkt, dass die Staatsapparate der ganzen Welt ordentlich ins Schleudern geraten sind. Und weil die nicht mehr wissen, wie sie sich wehren sollen, nehmen sie dankbar den Umweg über die skandinavische Gesetzgebung und über ein sexuelles Thema, so dass sich jeder auf die eine oder andere Weise identifizieren kann.
8.2.2011
Eine schwedische Journalistin berichtet im Zusammenhang mit den Vorwürfen an Julien Assange von ihren eigenen Erfahrungen mit Überraschungssex. Sie habe sich nicht getraut, Grenzen zu setzen. Mit dem neuen Gesetz der Einvernehmlichkeit müssen die Männer ab nun ein deutliches „Ja“ hören, sonst läuft nichts.
Ende der 70er, Anfang der 80er Jahre
Im Morgengrauen, beim Diskutieren und Weintrinken mit einer Freundin in der Wohnung eines Mannes, den wir gerade kennengelernt hatten. Sagt er: „Du als männliche Frau und ich als weiblicher Mann, wir müssen miteinander ins Bett gehen….“ Hat mich nicht überzeugt das Argument. Nein.
Ein Heilpraktiker, nach der Behandlung. „Was ich dich noch fragen wollte….“ Nein.
Ein Schauspieler verströmt in meiner Wohnung so viel Präsenz, dass ich glaube, keine Luft zum Atmen mehr zu haben. Nein.
Ein alternder Clown legt mir 68ermäßig, zumindest schien mir das damals eine 68er Geste, die Hand auf die Brust. Nein.
Ein Surfer fragt mich, ob ich mit ihm schlafe. Nein. Ich weiß nicht, wovor ich Angst hatte, denn er war äußerst attraktiv.
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Sommer 1980
An den Moment, an dem mich zum ersten Mal ein so intensives Gefühl der Geilheit überwältigte, dass ich mich nicht mehr selbst zurückholen hätte können und nur mehr auf Vögeln programmiert war, ein gleichzeitig erhabenes und beschämendes Gefühl, kann ich mich noch ganz genau erinnern. Wahrscheinlich, weil der Moment sich nicht ungestört weiter entfalten konnte. Es war in einem Garten. Wir wurden vertrieben…
6.9.2013 Vernissage der Ausstellung „Salon der Angst“
Angst als starkes Gefühl scheint sich nicht wirklich von den Exponaten auf die Besucher zu übertragen. Außer bei einer Videoinstallation mit dem Titel „Pellejo“, Haut. Ich gebe zu, diese Konzept-Idee hätte ich selbst gern gehabt. Es beginnt mit einem jungen Paar, das in einem dunklen Zimmer übereinander herfällt und animalisch fickt. Im Videoverlauf altern die Körper nach und nach bis sie nach elf Minuten wirklich alt sind. Das Publikum wendet sich mit Grausen ab.
13.10.2013
Ich bin mit meinem Sohn im Kino, wir schauen uns den Niki Lauda Film an. Vor dem Film ein Werbefilm, der so beginnt, dass man denken könnte, es geht um Bakterien und Krankheiten. Aber es geht um Verhaltensweisen, die in den öffentlichen Verkehrsmitteln unerwünscht sind. Ich passe nicht so genau auf, erst als mein Sohn sagt: „Schau, die Wiener Linien wollen nicht, dass man sich in der U-Bahn küsst!“
Frühling 1995 Theaterschule
Ich studiere mit dem ersten Jahrgang eine Performance ein. Wir machen täglich Aufwärmübungen, danach gibt es vor der eigentlichen Probe eine kurze Pause. Was mich in dieser Situation des zweiminütigen Aussetzens meiner Autoritätsposition geritten hat, ich weiß es nicht. Aus einem Impuls heraus springe ich in einer umarmenden Geste auf einen Studenten. Ab da war es quasi offiziell. Ohne dass ein Wort gefallen wäre, begannen wir unsere Zuwendungen. Ich war zwölf Jahre älter als er, ich war seine Lehrerin…
5.6.2014
University of California
Consens is defined as:
- An affirmative, unambiguous and conscious decision by each participant to engage in mutually agreed-upon sexual activity.
- Consent is informed, freely given, and voluntary.
- It is the responsibility of the person initiating the sexual activity, to ensure that he or she has the consent of the other person to engage in the sexual activity.
- Lack of protest or resistance does not mean consent, nor does silence mean consent.
- Consent must be ongoing throughout a sexual encounter and can be revoked at any time.
- The existence of a dating relationship between the persons involved, or the fact of past sexual relations between them, should never by itself be assumed to be an indicator of consent.
Ende der 70er, Anfang der 80er Jahre
Wir hatten Haupt- und Nebenbeziehungen. Ich war hauptsächlich Nebenbeziehung für andere Hauptbeziehungen. Die Unterscheidung war eine ernste Sache und man hielt sich für gewöhnlich an die Abmachung. Auch wenn im Nachhinein über diese Zeit gesagt wird, dass die Sexualität eine zu hohe Bürde zu tragen gehabt hätte - als Selbstsuche, politische Befreiung und Heilsversprechen - erinnere ich mich nicht an die Bürde, sondern an Erfahrungen. Ich erinnere mich auch gar nicht an so viele Beziehungs-Diskussionen, oder Diskussionen darüber, wie befreite Sexualität aussehen könnte. Es war uns allerdings bewusst, dass wir „gebrochen“ waren, nicht mehr ganz. Ironisch bezeichneten wir einander ab und zu als „befreites Gebiet“.
6.4.1993
Der Konsens mit A lautet: wir haben jetzt „nur“ Sex, was soviel heißt wie, dass keine weiteren Beziehungsansprüche ableitbar sind, von keiner Seite.
7.6.2011
Gestern beim Aufbau im Theater die Begrüßung mit B, von dem ich vermute, dass er an mir interessiert ist, aber ich dachte eigentlich, ich nicht an ihm, regt mich erstaunlich an, die Haut, es knistert, ich werde innerlich weich. Bei der Verabschiedung umarmen wir uns lange und intensiv. Es ist erotisch und vielversprechend. Später schreibe ich ihm eine SMS: „war eine schöne Überraschung, dich heute zu treffen!“ Er, zwei Stunden später zurück: „ganz meinerseits!“
Aber da fehlt jetzt schon eine nächste Stufe, oder?
Februar 1982 Als Filmkritikerin auf der Berlinale
Ein Interview mit einem Filmemacher. Wir sitzen an einem kleinen Tisch am Fenster einander gegenüber, das Aufnahmegerät zwischen uns platziert. Möglicherweise verwendete ich es zum ersten Mal, mir passierte ein Anfängerfehler, ich vergaß zu überprüfen, ob es auch aufnimmt. Schlussendlich musste ich das ganze Gespräch aus der Erinnerung rekonstruieren. Während des Gesprächs gibt es einen Moment, als er aufsteht, irgendetwas holt und zurück kommt, mich von hinten überrascht und küsst. Wir landen ganz selbstverständlich im Bett.
28.1.2013
Klar, bei der Aufschrei-Debatte um einen alternden Politiker und eine junge Journalistin, die sich gegenseitig provozieren, geht es um Macht und nicht um Sex. Aber nehmen wir einmal an, nur kurz, es gehe doch um Begehren. Dass ein alter Mann ein Interesse an einer jungen Frau hat, dass ihm ohnehin klar ist, dass er keine Chance hat, und dass Herrn Brüderle in der Not ein missglücktes Kompliment herausrutscht.
So undenkbar wäre das nicht.
5.2.2013
Mein Sohn will im Fasching als Morgenlatte gehen. Gut, ob er es sich dann traut ist eine andere Sache. Aber dass ich das nicht unwitzig finde und nicht gleich aufschreie: Heißt, das, ich erziehe damit bereits einen Mann zu sexistischer Belästigung?
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14.3.2014
Wenn es den männlichen Blick und das männliche Begehren nicht mehr geben darf, mag ich nicht mehr öffentlich sein. Das ist dann der Tod der so genannten Chemie.
Dorothea Zeemann hat einmal irgendwo geschrieben, dass eine Erektion ein Kompliment ist. Ich hätte gern, dass das auch die Männer wissen.
16.10.2012
Vielleicht bin ich einfach nur zu blöd, um mich in einer liberalen Welt, in der man mehr oder weniger erotisch gepolt sein kann, gewandt zu bewegen. Es scheint, dass sich seit Michel Houllebecqs Analyse der erotischen Anziehung als kapitalistisches Spielgeld noch einiges gesteigert hätte. Mittlerweile reicht Attraktivität nicht mehr aus, man muss zusätzlich hohe Ich-AG-Werte einbringen.
23.9.2012 Steirischer herbst
Der aktionistische Performer Reverend Billy hält eine flammende Predigt gegen Konsumwahn und Umweltzerstörung. Mitten drin fällt der Satz „Maybe the way you made love twenty years ago is the answer?” Es liegt also wie ein Gewitter in der Luft, die Sehnsucht nach einer freieren Sexualität. Wenn die Männer heute sexuell weniger interessiert sind als früher, weil die Umwelt östrogenverseucht ist, muss man etwas tun. Wenn die Leute Angst haben, weil sie politisch unkorrekt rüberkommen könnten, muss man das unterlaufen.
30.7.2012
Nach der Aufführung stehe ich mit einem Techniker herum, ein paar unauffällige Berührungen und dann lassen wir einander nicht mehr los. Wir schlafen miteinander, wir schlafen ein…… Ich habe absolut nichts dagegen und greife nach einem Kondom. Für den Aufwand ist es ihm dann aber anscheinend nicht dringend genug, sehr schade. Oder ist das bereits die Auswirkung der Assange-Geschichte? Das muss man sich einmal vorstellen, die Situation, dass man im Bett ist mit jemandem und einer fängt in der Nacht noch einmal an – ist doch gängig, oder? – und das wird dann monatelang in den Medien verhandelt. Im Schlaf penetriert zu werden ist etwas Schönes, zwei überwältigende Vorgänge gleichzeitig. Wenn das nicht mehr Standard sein darf, wird es kompliziert.
7.1.2012 Im Filmmuseum
„River of No Return“ funktioniert bei mir einwandfrei. Mir ist egal, dass das Pappendeckel- und Puppenkino ist. Die Formen der Monroe sind so stark wie die Symbolik der animalischen Kräfte. Als Robert Mitchum sie küsst und dann mit dem Löwen kämpft, das hat schon was. Finde ich nur mehr in den alten Filmen meine erotische Heimat? „Riso Amaro“, italienischer Neoverismo. Mir ist egal, ob das theatral ist. Die Inszenierung der Anziehung, die Körperlichkeit der Frauen, ein Wahnsinn…
31.10.2009 Viennale, Gartenbaukino
Beim Techno-Film „Villalobos“ im Saal lauter junge Menschen, die keinen Sex ausstrahlen. Also, in dem Sinn, dass es nicht ihr vorherrschendes Lebensmotiv ist. Beim Rockfilm „It might get loud“ am Tag davor hatten die männlichen Zuschauer ihre Frauen mit, die brauchen sie zumindest fürs Männlichkeitsritual.
24.4.2014
Plötzlich, beim Verlassen des Theaters, ein Flash des Geruchs von C…
Mit allen körperlichen Erinnerungen, der Tiefe und der Weite des Verlangens.
10.4.2011
Es ist auf jeden Fall aufladender, über den Naschmarkt zu gehen, als ein Profil im Internet auszufüllen.
Anfang der 90er Jahre
Ich bewege mich wie ein Magnet durch die Welt, ständig begehrt mich wer. So viele Männer, so viel frei flottierendes Begehren. Dieser Fluss der Anziehung, in dem wir alle schwimmen…
13.3.2014
Den Fluss der Anziehung, in dem wir damals waren, den gibt es nicht mehr.
Kann man das denen, die es nicht persönlich erlebt haben, überhaupt vermitteln?
16.7.2011
Ich bin sehenden Auges in das Konzept der Amour Fou verliebt. Das wäre vielleicht was zum Wegtherapieren. Die Hände des Hauptdarstellers im Film „Cosa voglio di più“ erinnern mich an D. Aber: er geht mehr ran als D. D versteht echt nicht, worum es beim Sex geht. Nicht um irgendeine Technik oder psychologische Einstellung, die eventuell grob oder sadistisch ist, sondern mitzugehen mit dem Flow, männliche Aggressivität inklusive.
Sommer 1995 Nahe der U-Bahn-Station Stadtpark
Ich, auf einer Bank liegend, E auf mir, ich höre noch „Zug fährt ab“, dann komme ich.
In Schönbrunn: so geil zu sein, die Augen zu schließen, nach hinten gedrängt zu werden und voll Vertrauen sich bewegen zu lassen und zu kommen - obwohl mir irgendwie klar ist, dass wir 2m neben einem viel begangenen Weg sind….
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27.9.2013
Ich lese einen Verriss von Naomi Wolfs Buch „Vagina“. Der Rezensent macht sich lustig über eine Frau, die, wegen einer Operation glaube ich, ihre Orgasmen vermisst. Er schreibt: „In dem Buch steht alles Mögliche und doch nur eines: Frau = Vagina. Wolf behauptet tatsächlich, dass Frauen mit tolleren Orgasmen größere Werke schaffen.“ Ich sage: Das kann durchaus zutreffen! Der Rezensent fasst Wolfs Thesen zusammen mit: „Es wird erst wieder besser, wenn Frauen, wie es die allerwiderlichsten Sexisten seit jeher sagen, ordentlich durchgefickt werden.“ Ich sage: Dreh- und Angelpunkte im Diskurs über Sexualität sind Penetration und weiblicher Orgasmus. Da kann man sich nicht dran vorbei schwindeln.
21.3.1995 Früh am Morgen
Ich bin in einem Kiosk, um Fahrkarten zu kaufen und blättere in einem der Hefte auf dem Ladentisch, einem schwarz-weiss gezeichneten Porno-Magazin. Ganz kurz, vielleicht eine Sekunde. Mich erfasst eine Woge der Wollust, die mir den Boden unter den Füßen wegzieht. Ich habe in meinen Abgrund geschaut, dahin, wo meine starke Begierde zündelt.
21.9.2011
Meine Todessehnsucht hat immer mit dem Mangel an Sex, oder mit dem Mangel an Liebe, was in meinen Augen dasselbe ist, zu tun. Ich brauche dieses absichtslose Entgrenzen, das Zerfließen, das Fallenlassen, das Umstülpen, Es ist meine einzige Chance, am Leben zu bleiben.
Maryse Holder schrieb in „Ich atme mit dem Herzen“: „Der einzige Kontakt, den wir haben, kommt durch sexuelles Verlangen zustande. Was, außer dem Gefühl sexuell angetörnt und lebendig zu sein, macht das Leben lebenswert?“ Das Buch wird heute der Kategorie Sex-Tourismus zugeordnet. Als es herauskam, 1978, haben wir es als abenteuerlich, mutig, fordernd, identifikationsstiftend gelesen. Und wir haben verstanden, dass Maryse Holder eine Problematik benennt, an der wir alle kiefeln, manche mehr, manche weniger.
12.7.2009
Mein Sohn fragt mich, was mein größter Wunsch sei. Ich sage, das kann ich dir so nicht sagen (weil ich ja nicht gut sagen kann, dass ich mich ins Nirvana vögeln will), er darauf: Sag es mir, und das Wort, das ich nicht verstehe, erklärst du mir dann.
Also: Ich will zu meinem Innersten vorstoßen und mich transformieren. Er sagt: Ah, das Wort kenne ich sogar, von Transformers!
30.3.1993
Nach dem Streit umarmt F mich fest, so wie man einen Tobsüchtigen beruhigt. Und dann haben wir mit dem wildesten Vögeln unserer Karriere begonnen. Ich bin so gefickt worden, wir ich mir das erträume, wild, gewalttätig, aber nichts tut weh. Kratzen in diesem Zustand ist höchster Genuss, merkwürdigerweise gibt es keine Male. Atemberaubend gut.
27.4.1994
Ich will von Männern geachtet werden als eine, die was drauf hat, als stark, aktiv, rezeptiv, künstlerisch und so weiter. Aber das muss im Bett gebrochen werden, dafür weiß ich keinen Trick, wie ich das selbst tun könnte. Ich will überwältigt, erobert, genommen werden. Ich will mich hingeben und mich ausliefern….
5.8.2012
Dass G und ich sexuell zusammenpassen, das hat sich gezeigt. Da war etwas, Berührungen, die nicht technisch sind, die Ambivalenz zwischen Qual und Lust, die von der Gewissensplage gesteigerte Erlebnisfähigkeit, Liebkosungen und Einträge aus dem Lexikon der sexuellen Fantasien, Momente des Zwingens und der Objekthaftigkeit (und) Akte der Verzweiflung und lustvollen Aggression.
“By taking off our clothes in front of each other, we consciously take off our other selves, our relations to other people, the limits of our relations to each other. We become just a body, outside the normal strictures and plans of normal life. To be naked means to be seen, but below that, to be naked is to be emptied – blank. Taking off our clothes is revolutionary, proletarian; stripping reduces and removes whatever status we rely on. And it makes us both more human and more like objects at the same time.”
Sallie Tisdale
Mai 2014
Sallie Tisdales „Talk Dirty To Me“ wird wieder neu aufgelegt. Vor zwanzig Jahren hat dieses Buch mich gerettet.
18.4.1993 In der Disko
Ich habe ihn zuerst, in der Dunkelheit, gar nicht bemerkt. Der Impakt war gleich 100%, mit schwindlig und so. Während er auf mich zu kommt, läuft ein Lied „ I can’t believe you see me“, oder erfinde ich schon Song-Texte? Seeing somebody. Jemanden dauernd sehen, auch wo er nicht ist. Jemanden erkennen – und sie erkannten einander. Ich will gesehen werden und ich will durchschaut werden.